Wandernde Schlieren vor den Augen: Was sind Mouches volantes?

16. Mai 2024 5 Minuten Lesezeit

Hatten Sie auch schon mal wandernde Schlieren vor den Augen? Oder dunkle Fäden in Ihrem Sichtfeld? Viele Menschen haben oder hatten schon mal sogenannte Mouches volantes (französisch für „fliegende Mücken“), auch Glaskörperflocken genannt. Besonders, wenn man auf hellere Strukturen schaut, wie z. B. eine weiße Wand, werden sie sichtbar. Als dunkle, durchsichtige Punkte, als Flecken oder Fäden. Das Kuriose: Sie bewegen sich meist mit, wenn man in eine andere Richtung schaut. Aber zur Beruhigung: es sind keine Würmer oder andere Lebewesen! Wir erklären, was es mit den „fliegenden Mücken“ auf sich hat.

Mouches volantes? Was sind Glaskörperflocken?

Wandernde Schlieren vor den Augen? Was genau ist das? Es sind keine Fremdkörper auf der Pupille. Medizinisch handelt es sich um Glaskörpertrübungen. Der Glaskörper befindet sich zwischen Linse und Netzhaut im Inneren des Auges und verleiht ihm seine Stabilität. Er besteht aus einer klaren, gelartigen Substanz, die sich mit zunehmenden Alter verändert. Der Glaskörper verflüssigt sich und löst sich von der Netzhaut ab. Das ist aber ganz normal.

Im Laufe dieses Prozesses verbleiben dann verdichtete Kollagenfasern, die vom Menschen als Trübungen oder „Mouches volantes“ wahrgenommen werden können. Anfangs sind diese Schlieren nur vor helleren Hintergründen, wie weißen Wänden oder Papier, zu erkennen. Später können sie sogar potenziell bei geschlossenen Augen in heller Umgebung zu sehen sein. Übrigens: Der englische Begriff „Floater“ (englisch, so viel wie „Schwimmer“) wird häufig auch in diesem Zusammenhang verwendet und deckt neben den Mouches volantes auch jede andere Art einer Glaskörpertrübung ab.

Formen, wie Betroffene Mouches volantes beschreiben:

  • Schwarz-gräuliche kleine Punkte oder Flecken vor den Augen
  • Fussel oder Flusen im Auge
  • Wandernde Linien oder Fäden

Solange diese Erscheinungen durch den normalen Alterungsprozess des Glaskörpers hervorgerufen werden, sind sie in der Regel harmlos und müssen nicht behandelt werden. Dennoch sollte zur Abklärung der Beschwerden eine augenärztliche Diagnose erfolgen.

Vorsicht bei plötzlicher Vermehrung der Floater

Wenn die Schatten, Schlieren und Schleier vor den Augen plötzlich mehr werden, dann kann das ein Hinweis auf eine Augenerkrankung sein. Auch wenn die Farbe sich verändert oder die Größe der „fliegenden Mücken“ vor den Augen von einem Tag auf den anderen stark zunimmt. Oder wenn man eine Art „Rußregen“ bzw. „Ascheregen“ wahrnimmt. Damit wird häufig eine große Anzahl, grober, tiefschwarzer Flecken beschrieben, die sich gleichmäßig vor den Augen von oben nach unten bewegen. Dieser kann durch eine Blutung im Glaskörperraum verursacht worden sein. Treten zusätzlich noch Sterne, Licht-Effekte oder Blitze auf, kann das ein Hinweis auf eine hintere Glaskörperabhebung sein, die in seltenen Fällen zu einer Netzhautablösung führen kann. Beim sogenannten „Weiss-Ring-Floater“ können auch ringförmige, ringartige und wirbelartige Formen auftreten. In jedem dieser Fälle sollten Sie umgehend Ihre Augenärztin oder Ihren Augenarzt aufsuchen.

Netzhautablösung: Wie gross ist das Risiko?

Wie beschrieben löst sich der Glaskörper im Alter immer mehr von der Netzhaut. Das ist erstmal kein Grund zur Sorge. Dabei vermehren sich auch die Mouches Volantes. Im Zuge der Ablösung kann es aber auch sein, dass der Glaskörper an der Netzhaut zieht und im ungünstigsten Fall ein Loch darin verursacht: einen Netzhautriss. Wenn dann Flüssigkeit hinter diesen Riss kommt, kann es zu einer Netzhautablösung kommen. Bei einer Netzhautablösung löst sich die obere Schicht von der darunter liegenden Netzhaut-Schicht. Dabei kann es zu einer teilweisen Sehstörung bis hin zu einem schweren Sehverlust kommen.

In einem solchen Fall muss äußerst schnell gehandelt werden, da das Sehvermögen bedroht ist. Vorboten sind unter anderem Blitze im Auge, die wie ein Augenflimmern wirken können, und die zusammen mit vermehrten Punkten und Flecken im Sichtfeld auftreten. Dann sollten Sie umgehend ärztlichen Rat einholen.

Oder Vorbote einer Migräne?

Punkte im Sichtfeld können auch durch andere Ursachen auftreten, z. B. eine Migräne. Der Unterschied ist, dass Betroffene hier einen zickzackförmigen, flimmernden Fleck sehen, der meist nach ein paar Stunden oder wenigen Tagen verschwindet. Stress, Bluthochdruck oder bestimmte Medikamente können ebenfalls Mouches volantes begünstigen. Achten Sie auf plötzliche und starke Veränderungen im Sichtfeld.

Wandernde Schlieren vor den Augen – wie verschwinden sie wieder?

Mouches volantes bzw. Glaskörpertrübungen sind bis zu einem gewissen Grad vollkommen normal. Auch Menschen mit gesunden Augen haben sie. Wenn bei Ihnen eine Kurzsichtigkeit vorliegt, kann es sein, dass Sie sie früher im Leben wahrnehmen als andere Menschen. Das liegt daran, dass kurzsichtige Personen einen längeren Augapfel haben. Kommt es bei der augenärztlichen Untersuchung zur Diagnose Mouches volantes, wird in der Regel keine weitere Behandlung empfohlen.

Die „fliegenden Mücken“ sind grundsätzlich harmlos und benötigen keine Therapie, solange sie in überschaubarem Rahmen bleiben. Manchmal kann es sogar sein, dass sie von selbst verschwinden. Das geschieht, wenn natürliche Veränderungen im Glaskörper dazu führen, dass sich die verdichteten Kollagenfasern allmählich auflösen. Das passiert aber nicht bei allen Menschen. Aber keine Sorge: Unser Gehirn hilft uns. Denn mit der Zeit gewöhnt es sich an die harmlosen Fäden im Sichtfeld und blendet diese zu großen Teilen in der Wahrnehmung aus.

Mouches volantes: Macht eine Laser-Behandlung Sinn?

Unter gewissen Voraussetzungen können Floater bzw. Glaskörpertrübungen auch mit einem Niedrig-Energie-Laser behandelt werden. Dieses Verfahren nennt sich Laser-Vitreolyse bzw. genauer Neodym-YAG-Laser-Vitreolyse und wird dazu verwendet, mit extrem kurzen, sehr präzisen Laserimpulsen einzelne Floater aufzulösen. Dabei wird so wenig Energie verwendet, dass die Glaskörpermembran nicht beschädigt wird.

Aber auch wenn dieses Verfahren deutlich risikoarmer ist als eine Vitrektomie (das ist die Entfernung des Glaskörpers und die einzige andere operative Methode), sollten Sie sich vorher ausführlich bei Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt beraten lassen. Solche operativen Behandlungen sind nicht bei jeder Person möglich.

Eine weitere mögliche Art der Behandlung kann die Beeinflussung des Kollagen-Stoffwechsels im Glaskörper durch die Einnahme bestimmter Mikronährstoffe sein. Das haben erste Studien belegt. Probanden wurden hier Kombinationen aus L-Lysin, Vitamin C, Proanthocyanidinen, Citrus-Flavonoiden und Zink verabreicht. Nach einigen Monaten haben sich die Sichteinschränkungen durch die Mouches volantes verringert.

Nicht die gute Stimmung trüben lassen

Glaskörpertrübungen sind kein Grund für trübe Stimmung. Häufig treten sie nur in geringem Maße auf und das Gehirn hilft dabei, sie mit der Zeit auszublenden und zu vergessen. Sollten Sie aber starke Veränderungen bei den Mouches volantes bemerken oder sollten sie Ihr Sichtfeld zu stark beeinträchtigen, lassen Sie es ärztlich abchecken. Wir wünschen Ihnen alles Gute!

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